Ein Wasserschaden am Boden endet selten an der Oberfläche. Wasser aus Heizungsrohr, Spülmaschine oder Duschanschluss sickert durch Fugen und Randstreifen in die Dämmschicht unter dem Estrich, verteilt sich dort flächig und trocknet von allein nicht ab, weil Estrich und Belag die Verdunstung sperren. Gut die Hälfte der Leipziger Wohngebäude stammt aus der Zeit vor 1949 (Zensus 2022: 50,4 Prozent), weitere 10,6 Prozent aus der Plattenbauphase 1970 bis 1989.
Feuchtemessung und Schadensbild
Vor dem ersten Bohrloch wird gemessen. Mit Oberflächen- und Tiefenmessung, bei Bedarf mit einer Sonde in einer Probebohrung, stellt unser Team fest, ob nur der Estrich oder auch die Dämmschicht nass ist und wie weit sich das Wasser unter dem Boden verteilt hat. Daraus entsteht ein Grundriss mit Messpunkten. Diese Dokumentation gehört später zur Schadenakte für Ihre Versicherung.
Dämmschichttrocknung im Unterdruck- oder Überdruckverfahren
Für die eigentliche Trocknung werden Bohrungen durch den Estrich oder Öffnungen in der Randfuge gesetzt. Im Unterdruckverfahren saugt ein Seitenkanalverdichter die feuchte Luft aus der Dämmschicht heraus, trockene Raumluft strömt nach und nimmt Wasser auf; die abgesaugte Luft läuft durch Wasserabscheider und Filter. Im Überdruckverfahren wird trockene Luft in die Dämmschicht gedrückt und tritt an den Randfugen wieder aus. In bewohnten Räumen kommen nach dem UBA-Schimmelleitfaden ausschließlich Saug- oder Saugdruckverfahren zum Einsatz (Stand April 2024), damit keine Partikel aus der Dämmschicht in die Raumluft gelangen.
Estrichtrocknung bei Fußbodenheizung und Belag
Liegt eine Fußbodenheizung im Estrich, werden die Bohrpunkte nach dem Verlegeplan oder nach einer Thermografie der Heizschleifen festgelegt, damit kein Rohr getroffen wird. Fliesen können in vielen Fällen bleiben, wenn die Bohrungen in die Fugen gesetzt werden. Parkett und Laminat auf nasser Dämmschicht sind dagegen meist nicht zu halten, weil sie aufquellen und die Trocknung nach oben blockieren. Das entscheiden wir mit Ihnen vor Ort.
Kombination mit Raum- und Wandtrocknung
Oft ist nicht nur der Boden nass. Zieht Feuchte in die Wand hoch, läuft die Dämmschichttrocknung parallel zu Kondenstrocknern und Heizplatten. Ist der Keller nach Starkregen oder Rückstau vollgelaufen, ist die Kellertrocknung nach Hochwasser der passende Einstieg, weil dort zuerst gepumpt und gereinigt wird. Die Geräte stimmen wir so ab, dass die Dämmschicht nicht aus der Raumluft zurückfeuchtet.
